Altes Mühlenfließ modern interpretiert

62 Betonelemente werden gerade für das Fließbecken zwischen Wassermühle und Spargelmuseum montiert

„Es läuft“, sagt Tony Fischer, auch wenn noch nichts fließt. „Aber der Anfang ist gemacht“, sagt der zuständige Projektleiter der Firma R. Fischer GmbH Stücken: Begonnen haben jetzt die Montagearbeiten für das Becken des Mühlenfließ, das eines der besonderen Projekte für die Landesgartenschau werden soll. Auf einem Abschnitt von rund 190 Metern zwischen Alter Wassermühle und Spargelmuseum wird der frühere Verlauf des Gewässers auf seiner Länge optisch und gestalterisch im Bereich des einstigen Pferdefließ hinter der alten Posthalterei nachempfunden. Der künftige Wasserlauf wird mit einem geschlossenen Umwälzsystem betrieben und keine Verbindung zum Grundwasser haben.

 Als erstes gesetzt wurde die drei Tonnen schwere Zulaufwanne mit ihren jeweils 67 Zentimeter hohen fünf Betonelementen. Ein sogenannter abgetreppter Wasserfall führt dann ins Fließbecken weiter, dessen 55 folgende Teile eine Gesamthöhe von 45 Zentimetern haben; später werden davon etwa 20 Zentimeter Beton sichtbar aus dem Erdreich ragen. Die Wasserkante wird bei 18 Zentimetern liegen. „Schlicht, sachlich, einfach“, beschreibt es Bürgermeister Bernhard Knuth. Die „hochmoderne Interpretation des alten Mühlenfließ“ gebe dem Areal den ursprünglichen Charakter zurück und korrespondiere gut mit der Altstadt. Der Salzbrunner Künstler José Nuevo werde in Anlehnung an die frühere Ufer-Schilflandschaft für die Anlage noch drei Gruppen mit je 5 metallenen Röhricht-Stangen kreieren, kündigte der Bürgermeister an.

Bis es soweit ist, bleibt noch genug Schwerstarbeit für die Profis zu tun. Die etwa 3 Meter langen und im Schnitt 4 Tonnen schweren Betonteile werden per Kran der Michendorfer Firma MKD an ihren Platz gehievt und dann mit Spannschlössern und elastischen Dichtungen montiert. Hergestellt werden sie in der Berding Beton GmbH Linthe aus einem Spezialbeton, der durch die Länge des Bauwerkes und seiner späteren Nutzung hohen Anforderungen gerecht werden muss, erklärt Tony Fischer. Für den 40-Jährigen hat das Projekt eine ganz besondere Bedeutung, denn es entsteht in Sichtweite seines Elternhauses an der Treuenbrietzener Straße. „Hier, wo wir früher immer gespielt haben, entsteht nun so etwas Schönes. Ich freue mich wirklich sehr“, sagt der Projektleiter fürs Mühlenfließ. Nicht ohne Stolz verweist er aber auch auf die Gesamtleistungen, die das in der Wendezeit gegründete Stückener Famlienunternehmen Reiner Fischer GmbH mit seinen heute rund 30 Mitarbeitern für die Landesgartenschau bewältigen wird. Gleichzeitig lobt er „gerade in Corona-Zeiten“ die Vorzüge der beteiligten regionalen Firmen, zu denen auch die HW Bau GmbH Beelitz zählt. „Wir haben kurze Lieferwege, schnelle Absprachen und können witterungsbedingt ganz flexibel reagieren“, so Tony Fischer. Die Betonteile holt das Familienunternehmen übrigens selbst in Linthe ab, „auch so ein Vorteil“. Sollte das Wetter mitspielen, könnte das gesamte Setzen des Betonbeckens für das Mühlenfließ bis zum Steinhorst in zwei Wochen fertig sein, schätzt der Projektleiter. Später folgen Bau und Installation der selbstreinigenden Filteranlage, Pump- und Steuerungstechnik hinter dem Spargelmuseum. Verantwortlich dafür sind Spezialisten der Firma Polycon aus Bremen.

Für das Gesamtvorhaben Mühlenfließ, zu dem neben dem Wasserlauf auch der komplette Wegebau und die Gestaltung der angrenzenden Bereiche wie der gegenüberliegende Mühlengarten mit Sommerküche, Zaun- und Treppenanlagen sowie die Zuwegungen zu den Grundstücken in der Mauerstraße zählen, sind knapp 1,94 Millionen Euro, davon mehr als 1,4 Millionen Fördergelder veranschlagt, wie Bernd Güldner, verantwortlich bei der LAGA GmbH für Aufbau, Rückbau und Instandhaltung, berichtet.

In den ursprünglichen LAGA-Planungen war eine Wiederherstellung des Mühlenfließ als Nebenarm der Nieplitz und einst stadtbildprägendes, vor über 60 Jahren verloren gegangenes Gewässer in seiner früheren Form angedacht. Doch nach mehreren Untersuchungen hatte das Landesumweltamt der Stadt mitgeteilt, dass das Projekt zu teuer und sehr aufwendig gewesen wäre und nicht mit EU-Mitteln gefördert werden könnte. Das Mühlenfließ hatte seit jeher eine Bedeutung für Beelitz – als Antrieb für die Wassermühle, als Pferdewäsche gleich hinter der Alten Posthalterei und als Bademöglichkeit für etliche Generationen von Beelitzern.

Aber für die mögliche Absage war die Stadt gerüstet. Nun nimmt also die Alternative Form an. Das modern interpretierte Mühlenfließ werde ein „schönes Erlebnis für Kinder und Familien, die dann durch den Wasserlauf waten können“, ist sich der Bürgermeister sicher.

Text: Claudia Krause

Fotos: Claudia Krause, Marina Ringel

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