Bildende Kunst für den LAGA-Park 

Hinter den Kulissen reifen die Vorstellungen für Bleibendes und Temporäres. José Nuevo kümmert sich um Künstler und kreiert selbst einen Trinkwasserbrunnen

Corona bremst allerorten die Kultur aus. Auch bei den Vorbereitungen für die bildende Kunst im LAGA-Park musste José Nuevo im November auf die Bremse treten – keine Atelierbesuche bei Künstlern, keine persönlichen Treffen. Dennoch läuft hinter den Kulissen längst die Ideenschmiede. José Nuevo ist mit der Organisation der Brandenburger Künstler betraut, die im öffentlichen Raum und in der Remise an der alten Wassermühle während der Landesgartenschau ihre Werke präsentieren sollen. „Ich möchte die Teamarbeit des Bürgermeisters loben und dass er die Kompetenzen vor Ort nutzt, dass Vorschläge besprochen werden, um einen Konsens zu finden. Es gilt ja nicht nur ein Geschmack“, sagt der 65-Jährige, der seit 16 Jahren in Salzbrunn lebt und längst bekannt ist – nicht nur durch seine übergroßen Stuhl-Konstruktionen. Da sich alles noch im Fluss befinde, nennt er keine Namen, Interessenten gebe es aber schon.

Fest stehe jedoch, dass der LAGA-Park wetterbeständige Kunstwerke bekommt, die sich sechs Monate lang harmonisch in die florale Umgebung einfügen. Weder Dominanz noch Überfrachtung von Kunst sollen den Charakter der eigentlichen Gartenausstellung vom Haupteingang bis zu den Archegärten beeinträchtigen, wohl aber ergänzen. Während die Exponate der etwa fünf/sechs Künstler im Außengelände temporär Station machen, bekommt ein besonderer Trinkwasserbrunnen seinen Stammplatz zwischen Pavillon, Cocktailschiff und Nieplitz-Treppe. José Nuevo selbst kreiert dafür ein Modell „mit einem Mosaik und viel Farbe“. Mindestens 20 Entwürfe habe er schon gefertigt. Aber so, wie der Park sich ständig entwickelt, durch den er fast täglich mit Frau und Hund spazieren geht, so entwickelten sich auch immer wieder neue Ideen für den Brunnen, den letztlich Berliner Fachfirmen in eine langlebige Spezialbeton-Form mit „Profi-Garantie“ bringen werden. „Es wird etwas Bleibendes für die Stadt. Das kostet mehr Kraft. Die Entwürfe müssen reifen. Was will ich aussagen? Was soll der Brunnen sagen? Stimmt die Harmonie mit der Umgebung? Und der LAGA-Konsens im Team ist hilfreich. „Der Trinkwasserstrahl wird von oben aus dem Hahn herabfallen; so, dass Spaziergänger auch ihre Flaschen werden füllen können. Der Brunnen soll einen Durchmesser von 60 und eine Höhe von 90 Zentimetern haben und im September 2021 fertig sein“, wünscht sich der Künstler. „Mir wäre wichtig, dass bis dahin, spätestens bis Oktober, auch alle anderen Außen-Skulpturen vorhanden sind.“ Drei weitere, handelsübliche Trinkwasserbrunnen könnten für die LAGA-Zeit noch geliehen werden.

Für die Remise an der alten Wassermühle sind wechselnde Ausstellungen geplant, die jeweils 14 Tage während der LAGA zu sehen sein werden. Etwa 12/13 Künstler sollen die Räume während der Dauer der Landegartenschau bestücken können. Eröffnet wird der Ausstellungsreigen jedoch mit dem heimischen künstlerischen Nachwuchs aus den obersten Jahrgangsklassen des Sally-Bein-Gymnasiums und der Beelitzer Oberschule. Erste Kontakte sind geknüpft; im Gymnasium habe er der Kunstklasse das Vorhaben bereits vorgestellt. „Jede Form von Ausdruck ist legitim, es gibt keine Vorgaben zu Techniken. Die interessierten Jugendlichen sollen ihre Eindrücke von Beelitz widergeben – wie sie die Stadt mit ihren Winkeln, Gassen, Menschen sehen oder spüren“, beschreibt es José Nuevo. „Liebe an der Kunst und deren öffentlicher Präsentation sollten vorhanden und Ansporn sein.“ Gut vorstellbar, dass es nach der LAGA in der Remise jährlich traditionelle Schülerausstellungen gibt. Ohne selbst in den Schöpfungsprozess der Schüler eingreifen zu wollen, bekundet der Spanier jedoch seine Bereitschaft, auf Talente ein Auge zu werfen: „Wenn jemand besonders förderungswürdig ist, würde ich mich auch um ein späteres Stipendium bemühen“, verspricht der Salzbrunner Künstler.

Mit einem kleinen Schmuckstück kann José Nuevo aber doch schon heute aufwarten. Eine von drei alten Zink-Blech-Rosetten aus dem einstigen Hotel Wehner hat er bereits sandstrahlgereinigt und leicht repariert. Die damaligen Deckenverzierungen von Hängelampen im Tanzsaal des Hotels (heute Sitz der Physiotherapie) waren bei der Sanierung des Hauses an der Beelitzer Hauptkreuzung entdeckt und auf Rat des Bürgermeisters geborgen worden. „Wir wollen sie vielleicht auf Kugeln eines Springbrunnen-Ensembles montieren und ins Iris-Beet setzen“, verrät Bernhard Knuth. Die Kugeln aus Glas oder Kunststoff? Vielleicht noch illuminiert? Wer weiß. Auch das ist noch im Gedanken-Fluss. Charmant ist es allemal, alte Beelitzer Fundstücke neu definiert ins LAGA-Gelände zu integrieren. Damit die Teile aber authentisch bleiben, will José Nuevo dem Blech bewusst nicht den letzten Feinschliff verpassen. „Alte Sachen sollen auch Risse zeigen“, findet der Künstler. Ihrem neuen, alten Glanz tut dies keinen Abbruch.

Text und Foto: Claudia Krause  

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