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Marie Zielcke. Foto: Christine Kurz

Jedermann-Festspiele in Beelitz: “Ein Stück, mit dem sich jeder identifizieren kann”

Marie Zielcke, bekannt aus Fernsehproduktionen wie „Die Krupps – eine deutsche Familie“ und Filmen wie „Lammbock“, spielt bei den Beelitzer Jedermann-Festspielen ab dem 8. September den Guten Gesell. Im Interview verrät sie, was das Stück und die Inszenierung in Beelitz für sie besonders macht.

Frau Zielcke, Sie spielen den Guten Gesell bei den Beelitzer Jedermann-Festspielen, die am 8. September Premiere feiern. Seit mehr als hundert Jahren wird der Jedermann vom Publikum geliebt. Was ist für Sie das Geheimnis des Stückes?

Ich glaube, dass dieses Stück immer aktuell ist – egal wann man es spielt. Es hat immer einen aktuellen Bezug. Und jeder erkennt sich in der ein oder anderen Figur wieder. Die Wandlung, die der Jedermann durchläuft, ist etwas, womit sich jeder identifizieren kann. Das ist eine Art Immergrün.

Als Guter Gesell begleiten Sie Jedermann, der als habgieriger Reicher vor Gott gerufen wird. Sie arbeiten dabei mit dem Originaltext. Wie schaffen Sie es, die Reime von Hugo von Hofmannsthal in die heutige Zeit zu holen?

Das ist tatsächlich schwierig. Ich versuche, mir die Reime zuerst in mein Deutsch zu übersetzen, um zu wissen, was die Kernaussage ist. Man kann das nicht stumpf auswendig lernen. Dadurch, dass man weiß, was man da spricht, hat man gleich eine andere Melodie. Das geht dem Zuschauer leichter ins Ohr, auch wenn der Text vielleicht schwerer verständlich ist. Ich lerne seit mehreren Wochen und die Reimform ist schon speziell.

Bis zur Premiere sind es ja auch noch fast zwei Wochen. Was macht für Sie das besondere dieser Inszenierung aus?

Open Air spiele ist noch publikumsnäher. Ich finde, diese „Outdoor“-Atmosphäre verbindet doch mehr, als in einem geschlossenen Raum. Es ist Unterhaltung auf eine andere Art als klassisches Theater, das reizt mich daran. Spannend wird es, wenn wir miteinander in die Proben gehen und ab Ende August auch auf der Bühne proben. Ich werde auch die ganze Zeit vor Ort wohnen, darauf freue ich mich schon wahnsinnig. Bisher kenne ich von Beelitz die Heilstätten, weil ich dort schon einige Filmdrehs hatte. Jetzt bleibt hoffentlich Zeit, die Gegend weiter zu erkunden.

Gibt es für Sie einen Höhepunkt hier?

Das Essen. Ich liebe es, die Spezialitäten der jeweiligen Region kennenzulernen. Ich freue mich aber auch auf die Kollegen: Mit Julian Weigend, dem Jedermann, habe ich schon öfter zusammen gedreht. Das wird ein großes, wunderbares Wiedersehen und passt auch in der Rollenkonstellation besonders gut. Natürlich freue ich mich aber auch auf die anderen Kollegen. Und ich freue auf das Erlebnis Lustspiel, eines für alle Sinne. Das ist unglaublich spannend, lockerer und interaktiver mit einem Hauch von Zirkus.

Die Botschaft des Jedermann ist allerding nicht direkt heiter.

Für mich ist es der berührendste Moment, wenn der Jedermann erkennen muss, dass er allein sterben wird. Das trifft schließlich jeden. Ich wünsche mir aber, dass das Publikum mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus dem Stück geht. Es wird lustig und unterhaltsam, aber die Botschaft ist natürlich ernst und regt hoffentlich jeden zum Nachdenken an. Was ist im Leben wichtig? Wie zählen Werte, Freundschaften und Geld? Das alles wird so verpackt, dass man trotzdem lachen kann, ohne erhobenen Zeigefinger. Man wird einfach eingeladen, mal ein bisschen auf sein Leben zu schauen.

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