An der Fassade der Wassermühle befindet sich nach Jahrzehnten wieder ein Mühlrad – kein funktionales, sondern eine Kunstinstallation

Nach Jahrzehnten hat die Beelitzer Wassermühle wieder ein Mühlrad! Schon aus der Ferne, wenn man aus südlicher Richtung in die Altstadt kommt, sieht man die dunklen, schweren Verstrebungen, die an der Fassade des Gebäudes einen Halbkreis bilden. Es handelt sich aber nicht um ein einfaches funktionales Bauteil, das hier eine Welle antreibt, sondern um eine Kunstinstallation.

“Es geht darum, die Geschichte des Gebäudes aufzugreifen, das aber auch klar in einer Kunstform auszudrücken“

Entworfen und angefertigt hat das insgesamt eine Tonne schwere Konstrukt der mecklenburgische Künstler Christoph Dahlberg. „Es geht darum, die Geschichte des Gebäudes aufzugreifen, das aber auch klar in einer Kunstform auszudrücken“, erläutert der 39-Jährige. „Und das heißt, dass auch Kontroversen genutzt werden – der massive Stahl und schwere Eichenbohlen, die aber insgesamt auch eine gewisse Leichtigkeit ausdrücken.“ Und tatsächlich hebt sich das Werk, welches den Namen „Im Fluss der Zeit“ trägt, von der hellen Wand des frisch sanierten Mühlengebäudes ab und erweckt den Eindruck, als könnte es sich jederzeit wieder drehen.

Ein Jahr lang hatte es gedauert, von der ersten Skizze bis zur nun fertigen Installation, die der Künstler gemeinsam mit dem befreundeten Handwerkermeister Jonas Heinze in dieser Woche innerhalb von zwei Tagen angebaut hat. Die Stadt Beelitz hatte Dahlberg aufgrund seiner bisherigen Arbeiten gezielt angesprochen. Natürlich hatte man im Rathaus zuerst an die Installation eines echten Mühlrades gedacht, „aber das hätte nur im Zusammenhang mit der originalgetreuen Rekonstruktion des Mühlenfließes wirklich Sinn ergeben“, erklärt Bürgermeister Bernhard Knuth. Die wiederum war aufgrund zu hoher Kosten und des großen baulichen Aufwandes vom Landesumweltamt abgelehnt worden. Und auch der Denkmalschutz hätte ein drehendes Mühlenrad nicht genehmigt.

„Mit der Kunstinstallation haben wir nun sogar noch etwas Besseres gefunden, denn so verbinden sich an der Wassermühle Tradition und Moderne – wie übrigens in vielen Bereichen unserer Stadt und auch auf dem Gartenschaugelände.“

„Mit der Kunstinstallation haben wir nun sogar noch etwas Besseres gefunden, denn so verbinden sich an der Wassermühle Tradition und Moderne – wie übrigens in vielen Bereichen unserer Stadt und auch auf dem Gartenschaugelände.“ Beispiele sind der Sparkassenneubau in der Poststraße 19, der die Form des vor Jahrzehnten abgerissenen Vorgängerbaus modern interpretiert, oder das neue Mühlenfließ, welches als flacher Kanal daherkommt, in dem im Sommer Kinder mit den Füßen planschen können. „Alles, was wir in Beelitz sanieren, rekonstruieren oder neu schaffen, hat für die Menschen einen unmittelbaren Nutzen und macht unsere Stadt ein Stück lebenswerter“, so der Bürgermeister.

Dazu gehören auch Kunstwerke, die auf dem rund 15 Hektar großen Gartenschauareal einen festen Platz haben. Denn neben der Kulinarik und dem Gartenbau ist die Kunst ein weiteres Motiv, welches während des 201 Tage währenden Großereignisses eine Rolle spielt. Kleine, dezente Details wie die Tierfiguren überall auf dem Gelände gehen dabei Hand in Hand mit großen, sofort sichtbaren Werken. Wie das Mühlrad. Das besteht übrigens aus sogenanntem Corten-Stahl, einem besonderen Material, welches schnell korrodiert und sich dadurch verdichtet, wie der Künstler erklärt. Insgesamt 150 Meter ergeben die Schweißnähte, welche die einzelnen Stücke verbinden. Acht Elemente von jeweils knapp vier Metern Länge hat er in seiner Werkstatt in Börgerende-Rethwisch, einer Gemeinde bei Rostock, vorgefertigt und sie hier zusammen mit seinem Kollegen zusammengefügt. Dazwischen wurden schwere Eichenbohlen geschraubt.

Dass sein Werk nun bis zu 450 000 Menschen im Zuge der Landesgartenschau erleben werden, sei schon sehr aufregend und ein großes Zeichen der Wertschätzung, findet Christoph Dahlberg. Er selbst werde auf jeden Fall zur LAGA dabei sein – denn natürlich möchte er auch aus erster Hand erfahren, wie die Besucher die Installation interpretieren.

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