Rainer Gottemeier vor seinem Baldacco. Die roten Glasstäbchen geben die Koordinaten des Standpunktes an.

Leuchtende Koordinaten zur Selbstfindung

Das komplette Kunstwerk

Auf dem Weg zum Baldacco liegt die Erkenntnis: Kurze Wortspiele und Zitate sollen zum Nachdenken anregen. Durch die Buchstaben soll der Rasen wachsen, so wird das Werk mit dem Ort verbunden.

In Muschelkalk wurde die Feder gehauen

Die Feder aus Muschelkalk stammt aus der Hand von José Nuevo. Anfassen ist hier ausdrücklich erlaubt, man soll die Kunst schließlich auch “begreifen”.

Sonnenlicht, atemberaubend gebündelt in roten und gelb-grünlichen Glasstäbchen, die vom Himmel hängen: Die Installation Baldacco ist ein echter Blickfang auf dem LAGA-Gelände. Die Skulptur aus Stahl und Acrylglas von Rainer Gottemeier steht direkt an der zentralen Nord-Süd-Achse des LAGA-Areals, der Straße Steinhorst. Bei einigen Besuchern des nahen Spielplatzes hat sie in den vergangenen Tagen schon für verschiedene Interpretationsansätze gesorgt: Ist es ein riesiges Windspiel, was dort auf der Wiese steht? Und was wollen die Worte, die in den Trittstufen auf dem Rasen eingearbeitet sind, dem Leser mitteilen?

„Das Kunstwerk verdeutlicht die Poesie der Orientierung“, erklärt der Künstler. Die roten Lichtstäbe verdeutlichen den geodätischen Standort des Kunstwerkes, sie sind wie mit einem Abakus verbildlicht dargestellt: Fünf und zwei rote Stäbe in einer Zeile, getrennt durch gelbe, stehen für die 52 Grad nördliche Breite. Danach folgen die Minuten und die Sekunden. Gleiches folgt für die östliche Länge. Steht der Betrachter im Gestell unter den Lichtstäben, steht er genau im Zentrum dieser angegebenen Koordinaten – und vervollständigt dadurch das Kunstwerk.

„Wo stehe ich? Das ist doch eine der großen Fragen unserer Zeit. Wir müssen zur Ruhe kommen und uns darüber klarwerden, dass wir diesen einen tollen Planeten im an sich dunklen und kalten Universum haben, auf dem wir leben und den wir doch erhalten müssen“, sagt Rainer Gottemeier. Das Lokale, repräsentiert durch die Koordinaten, wird mit dem Globalen in Bezug gesetzt.

Auf diesen Weg zur Erkenntnis laufen Betrachter über Wortspiele wie „PHAENO/MENE/UND ICH“, die zum Nachdenken anregen sollen. Auch ein zur LAGA passendes Rilke-Zitat ist dabei: „ZWISCHEN/DEN/BLUMEN/GEGENUEBER/DEM/HIMMEL“. Und am Ziel unter dem Glas-Baldachin steht „ORIENT/IERUNG“. Das ist bewusst doppeldeutig: Baldacco, der Name der Installation, bedeutet sowohl „Baldachin“ als auch „Bagdad“: Zu Goethes Zeiten war der Orient ein Sehnsuchtsort, auch die Skulptur in Beelitz ist nach Süden in Richtung Bagdad ausgerichtet. Sie soll die erste ihrer Art in einem Netzwerk sein, was einmal die gesamte Potsdamer Kulturlandschaft umfassen soll. Rainer Gottemeier, dessen Werke neben einer Vielzahl deutscher Städte schon in Helsinki sowie in Städten in Dänemark und Österreich ausgestellt wurden, ist dazu derzeit mit den entsprechenden Stellen in Verhandlung. Im benachbarten Werder (Havel) etwa soll eine ähnliche Skulptur am Besucherzentrum entstehen.

„Wir freuen uns, mit dem Werk hier in Beelitz den Startschuss für ein Kunstnetzwerk in der ganzen Region geben zu können. Mit Rainer Gottemeier haben wir einen weit über die Region hinaus bekannten Künstler gewinnen können, der hier eine tolle Idee umgesetzt hat“, sagt der Bürgermeister und LAGA-Geschäftsführer Bernhard Knuth.

Bei der Gestaltung des LAGA-Areals wird zudem – natürlich neben der Auswahl der Pflanzen und ihrer Standorte – Wert auf eine künstlerische Vielfalt gelegt. So hat der Salzbrunner Künstler José Nuevo etwa eine riesige Feder aus Muschelkalk gefertigt, die im Mühlengarten einen zentralen Platz erhalten hat. „Anfassen ist hier ausdrücklich erlaubt. Es heißt schließlich nicht umsonst, man begreift etwas“, sagt José Nuevo. Die Schwere des Steins stehe hier im Kontrast zur abgebildeten Feder, die für Leichtigkeit steht.

Unter dem Motto „Leichtigkeit der Steine“ steht auch eine der Ausstellung in der Remise der historischen Wassermühle, die José Nuevo als Kunstbeauftragter der LAGA kuratiert. Unter anderem soll es dort eine Installation mit einem 20 Kilogramm schweren Stein geben, den die Besucher durch pures Anpusten in Bewegung versetzen können.

Im 14-tägigen Wechsel soll es in der Remise Ausstellungen mit Werken von regionalen Künstlern geben. Hinzu kommt eine Vielzahl von Skulpturen auf dem Gelände. Kunst und Landschaftskunst sollen so eine Symbiose eingehen, um die Landesgartenschau zu einem ganzheitlichen Erlebnis werden zu lassen.

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