Christoph Rusch und Hannes Schultz am Reethaus

Christoph Rusch (links) und Hannes Schultz von der Reetdachdeckerei Freitag beim Decken des zweiten Slawenhauses.

Rügener Reet für Beelitzer Slawenhäuser

Es ist ein heute ungewöhnlicher Anblick für die Beelitzer Region: Bündelweise schleppen Christoph Rusch und Hannes Schultz von der Reetdachdeckerei Freitag das Reet vom Lastwagen auf die Dächer der drei Hütten des Beelitzer Slawendorfes. Von unten nach oben wird jedes Bündel auf dem Dachgestell befestigt und anschließend mit einem Klopfer verdichtet, dann ergibt es genau den Anblick, den man von den großen Reetdächern beim Besuch an der Ostsee kennt. Und genau dorther kommt auch das Reet, es wurde auf der Insel Rügen geerntet und wird in dieser Woche verbaut.

Die Handwerker klopfen das Reet fest

Das Reet wird von unten festgeklopft, damit es die nötige Dichte erhält.

Fertig gedecktes Haus

Im Haus wird das Leben der Slawen nachgestellt. Die Betonfundamente werden noch durch Erde verdeckt.

Die drei reetgedeckten Häuschen sind um ein Rundhaus gruppiert, welches mit Holzschindeln gedeckt wird. „Die Slawen haben beide Arten der Dachbedeckung verwendet, Reetdach und Holzschindeln. Deshalb war es uns wichtig, sie auch beide vor Ort zu zeigen“, erklärt LAGA-Bauleiter Matthias Weigt.

Ausgrabungen im Rahmen der Landesgartenschau auf dem Areal haben erwiesen, dass hier einst eine Slawenburg mit entsprechenden Häusern lag. Mit dem Slawendorf wird dieser Teil der Beelitzer Geschichte aufgegriffen. Im Rundhaus, welches in den kommenden Tagen entsteht, werden Teile des Bildungsangebotes des Grünen Klassenzimmers abgehalten. Die reetgedeckten Häuser erhalten eine slawentypische Ausstattung und sollen das Leben in der Region vor mehr als tausend Jahren veranschaulichen.

Die Slawen waren sehr gut darin, Energie auszunutzen. Ihre Häuser waren leicht in den Boden gegraben, sodass die Dächer bis an die Erde reichten. Das hat dafür gesorgt, dass die Wärme im Raum gehalten wird. Dieser Eindruck soll auch im neuen Slawendorf entstehen, so wird noch Erde an die Häuser angehäufelt. Dann wird man auch das – zugegebener Maßen nicht originale – Betonfundament nicht mehr sehen.

„In diesem Bereich steht das Wasser sehr hoch. Damit die Häuser dauerhaft den aktuellen Ansprüchen genügen, konnten wir sie nicht tiefer in die Erde setzen“, so Matthias Weigt. Den optischen Eindruck alter Slawendörfer soll auch das für den Oberbau verwendete Holz unterstützen: Es stammt aus Dachstühlen der Region, die die Beelitzer Baufirma von Pascal Meer saniert hat. Deren Mitarbeiter haben das Holz, welches vielleicht keinen mehrere Meter langen Dachstuhl mehr trägt, aber den Ansprüchen in den kleinen Hütten mehr als genügt, wiederverwendet. So wird eine authentische Optik mit Langlebigkeit kombiniert. Denn das Slawendorf soll nicht nur ab dem 14. April für die 201 Gartenschautage genutzt werden, Beelitzerinnen und Beelitzer sowie ihre Gäste sollen es lange darüber hinaus nutzen können.

„Für unsere Stadt ist das Slawendorf im Rahmen der LAGA eine einmalige Gelegenheit, auch diesen Aspekt unserer langen Stadtgeschichte zu beleuchten. Auch nach der Gartenschau wird man hier erleben können, wie das Leben vor der Besiedlung der Gegend durch die Germanen vermutlich ausgesehen hat. Das werden auch Funde aus jener Zeit, etwa von überraschend verzierten Keramiken, belegen“, sagt Bürgermeister und LAGA-Geschäftsführer Bernhard Knuth.

Auch Beelitzer Schul- und Kitagruppen sollen das Slawendorf nach der LAGA weiterhin als außerschulischen Lernort nutzen können. Ein detailliertes Konzept dazu wird in Workshops im Rahmen der Landesgartenschau erstellt. Die Kurse im Rahmen des Grünen Klassenzimmers zur Landesgartenschau sind wie berichtet sehr begehrt, bis Ende Juli sind sie für Kita- und Grundschulgruppen ausgebucht. Für ältere Schüler oder den Zeitraum von August bis Ende Oktober sind die Kurse noch buchbar. Das gesamte Programm zum Download gibt es unter www.laga-beelitz.de/gruenes-klassenzimmer/.

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