Die Fontäne sprudelt über dem Mühlenteich.

Sprudelndes Entree für den ältesten Teil von Beelitz

 

Es sprudelt über dem Beelitzer Mühlenteich. Etwa sechs Meter hoch schießt das Wasser aus der Fontäne in der Mitte des Teiches, die am Freitag den Dauerbetrieb aufgenommen hat. „Damit haben wir einen echten Hingucker am südlichen Ortseingang von Beelitz geschaffen. Ein kleines Naturparadies direkt gegenüber unserer Wassermühle“, sagt Bürgermeister Bernhard Knuth. „Ein weiteres Highlight für unsere Landesgartenschau ist damit fertig, und das acht Monate vor der Eröffnung am 14. April 2022.“ Nachdem die Fontäne an einigen Tagen schon kurzzeitig in Betrieb war, ist sie nun tagsüber dauerhaft eingeschaltet, um den Mühlenteich zu belüften, also mehr Sauerstoff im Wasser zu binden. Das ist bei künstlich angelegten Gewässern nötig. Die Pflanzen- und Tierwelt kann sich so besser entwickeln. Zudem bleibt das Wasser so klar, da mehr nützliche Mikroorganismen Schmutzpartikel zersetzen.

Bis Montag wurde in den Abendstunden noch die Beleuchtung mit ihren wechselnden Farben justiert. Seit Ende März wurde der Teich ausgehoben, einen Monat später floss dann das erste Wasser hinein. Inzwischen sind etwa 23.000 Kubikmeter im mit einer 40 Zentimeter dicken Tonschicht abgedichteten Teichbecken. „Die Tierwelt hat das Kleinod bereits gut angenommen. In den Trockenphasen des Frühjahrs haben hier etwa Schwalben das Wasser gefunden, das sie brauchen, um ihr Nistmaterial anzufeuchten und damit Nester zu bauen“, erklärt Bernd Güldner, der für den Aufbau und die Instandhaltung der Gartenschau-Anlagen verantwortlich ist.

Natürlichkeit war schon bei der Teichplanung ein wichtiges Kriterium: Das Wasser wird ohne jegliche Chemie über eine selbstreinigendes System mit groben Kieselkörnern gefiltert. Die Ufer sind zudem mit Schilf und anderen Wasserpflanzen versehen, die ebenfalls dabei helfen, das Teichwasser klar zu halten. So können Beelitzer und die Besucher der Stadt die Kiesel am Grund glitzern sehen. „Und das wie das gesamte Gelände bis zum Beginn der Gartenschau kostenlos“, betont Bernhard Knuth. Damit sich die Natur ungehindert entfalten kann, ist das Baden im bis zu 2,50 Meter tiefen Mühlenteich nicht erlaubt. Die Füße kann man allerdings von einer dreistufigen Tribüne aus ins Wasser baumeln lassen, hinter der in den kommenden Wochen noch ein Pavillon aus Stein entsteht. Von der Tribüne aus sieht man auch am anderen Teichende die Sumpfzypresse, der vor kurzem gepflanzt wurde und für besseren Halt bei Sturm noch mit im Boden verankerten Gurten gesichert ist.

Rund 350.000 Euro hat die Stadt Beelitz für die Wiederherstellung des Mühlenteiches ausgegeben. Die Investition wurde vom Land Brandenburg gefördert. Den Tiefbau hat die Firma R. Fischer GmbH aus dem Michendorfer Ortsteil Stücken realisiert, die Pumpentechnik wurde von der Bremer Spezialfirma Polycon GmbH geplant und installiert. Direkt gegenüber wird derzeit die historische Wassermühle zu einem Museum umgebaut, auch die Stadtbibliothek soll hier ihr neues Zuhause finden.

Mit seiner beleuchteten Fontäne schafft der Mühlenteich ein eindrückliches Entree für die Archegärten zwischen der Treuenbrietzener Straße und dem Bahndamm. Mit seinen geschwungenen Wegen entlang von Beeten und naturbelassenen Wiesen, an denen bereits Bäume gepflanzt sind und die Besucher gemütlich auf Bänken Vögel und Schmetterlinge beobachten können, ist dieser Teil des Gartenschaugeländes der ursprünglichste. „Jeden Tag sieht man bereits jetzt viele Beelitzer, die sich hier direkt vor der Haustür erholen“, sagt Bernhard Knuth. Und das im ältesten Teil des Stadtgebietes: Auf dem Gelände der Archegärten stand wahrscheinlich einst die Slawenburg „Belizi“, die erstmals in einer Urkunde von Kaiser Otto III. im Jahre 997 erwähnt wurde. Der Begriff der Archegärten stammt vom Vorgänger des Mühlenteiches, der mit seiner Kastenform an eine Arche erinnerte.

Der historische Mühlenteich wurde in den 1970er Jahren zugeschüttet. Einst wurde in ihm das Wasser für das Mühlenfließ aufgestaut, das dann die benachbarte Wassermühle und ein Sägewerk angetrieben hat. Schon 1960 wurde das seit mehr als 500 Jahren bestehende Staurecht gelöscht. Der heutige Teich hat auf Anraten der Unteren Wasserbehörde hin keinen natürlichen Zu- oder Abfluss mehr und auch keine Verbindung zum Grundwasser. Das Mühlenfließ selbst ist jedoch auf einem etwa 200 Meter langen Abschnitt hinter der Wassermühle in Form eines Bächleins wiederentstanden. „Dort können dann die Kinder planschen und auch die Erwachsenen sich einmal die Füße kühlen“, sagt Bernd Güldner. Schon in wenigen Tagen soll das erste Wasser das neue Bachbecken hinunterplätschern.

Die Fontäne sprudelt über dem Mühlenteich
Die Sumpfzypresse vor dem Beelitzer Mühlenteich
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