Weit entfernt vom November-Blues

LAGA lohnt sich schon – auch wenn es noch eine Baustelle ist

Die Palmen vom Posthof sind längst im Winterquartier. Das Novembergrau liegt an diesem Donnerstag träge über der Stadt. Aber das LAGA-Gelände ist weit entfernt von Trägheit und Trübsinn. Nicht überall tönt es so laut wie von der Abbruchbaustelle des Schwimmbades. Männer der Potsdamer Baum- und Landschaftspflege GmbH befreien Bäume von Trockenholz, um die Verkehrssicherheit zu wahren. Seit einer Woche sind sie im Einsatz. Den Morgenspaziergang stören sie nicht. Schnell sind die Blicke auf die guten Wege und die sauber, mit Granitsteinen eingefassten Beete gerichtet, wo sich die letzten Rosen mit ihren leuchtenden Farben gegen das Grau stemmen und Gräser sich im Wind wiegen. Große, robuste Holzbänke, offenbar krähensichere Papierkörbe und moderne Laternen fügen sich harmonisch ins Bild. Beim Anblick der von saftig grünen Eiben umgebenen eingehausten Steinskulpturen fühlt man sich mit einem Schmunzeln kurz nach Sanssouci versetzt. Und erst der imposante Pavillon gegenüber, der ein Café beherbergen wird! Sofort zieht er einen in seinen Bann und beim Blick durch die Fenster verfällt man in stilles Schwärmen, stellt sich nach der LAGA glückliche Brautpaare in dieser Kulisse vor und meint, schon Musik in dem lichtdurchfluteten Raum zu hören. Musik? War da nicht eben was? Ja, ein Wassersprenger säuselt vor sich hin und besprüht Neuanpflanzungen des großen Biotops. Hin und wieder kriegen auch die Schutzplanen des angelandeten Schiffes was ab, das späterhin als Cocktailbar am Wasser einladen soll.

Die Gärtnerinnen Manuela Kestin (li.) und Sandra Braschke am großen Biotop

Auf ein leckeres Schlückchen – auch alkoholfrei – freuen sich jetzt schon Sandra Braschke, Manuela  Kestin, Peter Knüttgen und Robert Fuhrmann. Das Quartett ist seit Sommer für die Landschaftspflege auf dem Gelände im Einsatz. Beete neu anlegen, verschilfte und verwucherte Bereiche lichten und mit Neuanpflanzungen – wie blauen Akeleien um das Biotop – aufwerten, um neue Blickfänge zu schaffen, mähen, Laub beräumen. Arbeit gebe es genug. Und vom Wetter lassen sich die Vier nicht ärgern, wie Robert Fuhrmann versichert. Mit einer sogenannten Initiativbewerbung hatten sie sich um die Stellen bemüht, wie Sandra Braschke erzählt. „So etwas mal mitzuerleben, ist toll“, schwärmt die Gärtnerin. An der Entstehung selbst beteiligt zu sein, zu sehen, wie sich alles entwickelt, woran man seinen eigenen Anteil hat, sei „einfach schön und macht stolz“, ergänzen Manuela Kestin und Peter Knüttgen. Die Arbeit sei vielseitig und mit Spannung erwarten sie schon den Sommer, wenn alles seine Pracht zeigen wird. Deshalb sei das Sprengen für Neu- und Umpflanzungen selbst jetzt nötig, sagt Peter Knüttgen, der die Reihe der Zierobstbäume gießt. Dahinter werde noch eine Staudenrabatte angelegt. In ihrem Engagement für die LAGA sehen sie sich auch durch die vielen anerkennenden Worte von Spaziergängern und Radfahrern bestärkt. „Und durch das Lob des Bürgermeisters“, wie sie mit sichtlichem Stolz erzählen.  Das Interesse der Beelitzer sei wirklich groß und es habe „noch nie schlechte Bemerkungen gegeben“.  Wenn jemand sagt, „man sieht, was ihr hier leistet“, dann fühlen sich die Frauen und Männer echt gewürdigt. „Und dann ärgern wir uns immer, dass wir wieder vergessen hatten, fertige Bereiche vorher und nachher fotografiert zu haben“, so Sandra Braschke, die mit ihrer gelben Arbeitsjacke weithin sichtbar ist. Dass das Team nun so präsent für die Passanten ist, findet Dirk Schubert prima. Der Bauhofleiter kreuzt gerade auf. Er kümmert sich um die Gärtnertruppe etwa mit Material und Containern. „Ich bin zufrieden. Seitdem die vier Leute hier sind, ist immer was zu sehen, was sich verändert und die meisten Reaktionen sind positiv. Die Akzeptanz ist größer geworden“, berichtet Dirk Schubert. Doch ist die Freude nicht ungetrübt. Schubert und die Landschaftspfleger ärgern sich massiv über Hundehalter, die die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner einfach an den Rasen- und Beeträndern liegenlassen. Jeder von den Landschaftspflegern habe schon mal in einen Haufen gefasst und Kinder liefen schließlich auch über die Wiesen. Zwei Hundetoiletten stehen bislang in der Straße zum Freibad. „Zu dem Problem Hundehaufen insgesamt in der Stadt beraten wir im Ordnungsamt“, sagt Dirk Schubert, bevor er wieder losfährt.

Peter Knüttgen (am Sprenger) und Robert Fuhrmann

Einige hundert Meter weiter sind Ulrich Harz und Christian Hormig von der R. Fischer GmbH Stücken dabei, das „Yoga-Beet“ (auch für Kleinkunst und andere Aktionen gedacht) anzulegen. Rund 180 Quadratmeter groß wird die eiförmige Fläche mit zwei Zugängen und einer wassergebundenen Wegedecke sein, berichten die Männer. Doch bei aller Vorfreude – hoffentlich ist auch die Nachpflege geklärt, damit später nicht alles verwildert, macht sich Herr Harz so seine Gedanken. Die gerade durchbrechende Sonne darf vielleicht als Hoffnungsschimmer gelten und lässt die Treppenstufen am Ufer der Nieplitz hell und einladend erstrahlen. Man muss geradezu einen Moment dort verweilen, auch wenn es zum Hinsetzen zu kalt ist. Für Hobbyfotografen bieten sich schöne Spiegelungen der Uferbepflanzung im Wasser.

Iris Knüttgen, die mit Rad und Hund unterwegs ist, findet die entstehende Parkanlage besonders toll, weil die Wege so gut befahrbar sind für Rollstühle, weshalb sie oft mit ihrer Mutter hier spazieren fährt. „Sehr gespannt bin ich auch auf die Freilichtbühne, die mit verschiedenen Veranstaltungen eine echte Bereicherung für Beelitz sein kann“. Bis es soweit ist, gehört das einstige Klärwerks-Gelände aber zu den Großbaustellen der LAGA. So wie die alte Wassermühle, die eingerüstet und saniert wird. Auf dem Weg dorthin erfreut man sich an der erneuerten Treuenbrietzener Straße und den auf deren anderer Seite entstehenden Archegärten, die das Auge weit machen und die Vorfreude etwa auf das Grüne Klassenzimmer für Schüler schüren. Dort, wo man heute noch durch Matsch zurück in Richtung Posthof watet, lässt sich bislang nur erahnen wie es sein wird, wenn ein kleiner, nur 20 Zentimeter tiefer Kanal entlangläuft, der an das ehemalige Mühlenfließ als Nebenarm der Nieplitz erinnert.

Schönen anderen Erinnerungen indes hängt Ingrid Zeiger nach, die seit 48 Jahren in der Mauerstraße wohnt und nun für den LAGA-Kanal-Abschnitt ein Stück ihres Pachtgrundes abgeben musste. Natürlich sei die Laga gut. „Mindestens dreimal pro Woche gehen wir hier spazieren und erfreuen uns an den tollen Fortschritten“, sagt sie. Aber ohne die Blickschutzhecke von einst, fühlten sie sich sehr beobachtet von den Spaziergängern. Doch wie jedes Ding zwei Seiten hat, gewinnt Gatte Zeiger dem neuen Zustand auch etwas Gutes ab: „Jetzt haben wir weniger Arbeit im Garten.“    

Claudia Krause  

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